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Konsensus –
Erklärung
zur
Ganzkörperkältetherapie (GKKT)
Bad Vöslau, Niederösterreich
Februar 2006
Anlässlich des Zweiten Österreichischen Symposiums zur GKKT
am 17. und 18. 02. 2006
im Kurzentrum Bad Vöslau fand eine Konsensus – Konferenz statt.
Teilnehmer:
Joch, W. Münster (D)
Jonas, L. Bad Häring (A)
Nöcker, K. Brandis (D)
Papenfuß, W. Pinnow/Schwerin (D)
Samborski, W. Posnan (Pl)
Savalli, L. Capbreton (F)
Schwenke, G. Treuenbrietzen (D)
Smuk, L. Celadna (CZ)
Sobieska, M. Posnan (Pl)
Teuber, J. Bayreuth (D)
Ückert, S. Dortmund (D)
Werner, J. Dresden (D)
Die Teilnehmer halten es für angebracht, eine gemeinsame Erklärung
zur Anwendung der GKKT zu verabschieden. Das geschieht unter der Maßgabe,
dass der therapeutische Nutzen dieser Behandlungsmethode ausreichend erwiesen
ist, aber auch bei Anerkennung der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen
zu den Ursache – Wirkungsbeziehungen und den Indikationsgebieten.
Definition :
Die GKKT ist eine passive physikalische Kurzzeittherapie mit systemischer
Wirkung, bei der im Regelfall therapeutisch wirksame Temperaturen im Bereich
von -100°C bis -150°C einge-setzt werden. Ihre Wirkung entfaltet
sie nach dem „Reiz – Reaktion – Adaptations –
Prinzip“. Ganzkörperkälteanwendungen werden sowohl zu
therapeutischen als auch zu leistungsopti-mierenden Zwecken genutzt. Die
Applikation erfolgt in Kältekammern. Die GKKT wird ärztlich
geleitet.
Grundlagen :
Seit der erstmaligen Anwendung der GKKT durch T. YAMAUCHI zur Behandlung
der Rheumatoiden Arthritis sind etwa 25 Jahre vergangen. In dieser Zeit
hat sie besonders in Europa eine weite Verbreitung gefunden, und das Indikationsspektrum
ist erheblich erweitert worden. Die GKKT wird inzwischen erfolgreich im
akut – klinischen, rehabilitativen, ambulanten und kurtherapeutischen
Bereich sowie im Sport eingesetzt.
Auf der Grundlage physiologischer Erkenntnisse zur kurzzeitigen Kältewirkung
auf den menschlichen Organismus entwickelt, wurde ihre wissenschaftliche
Fundierung besonders in den letzten 10 Jahren erweitert.
Ausgangspunkt der therapeutischen/leistungssteigernden Wirkung ist der
kurzzeitige extreme
Kältereiz auf die ungeschützte Körperoberfläche. Unter
Berücksichtigung intra- und interindi-vidueller Schwankungen sinkt
die Körperoberflächentemperatur im Expositionsverlauf in Folge
temporärer Vasokonstriktion und gleichzeitiger starker Wärmeabgabe
über Konvektion (kalte Umgebungsluft) und Infrarotstrahlung auf Werte
um +5°C ab. Hieraus resultieren im Unterschied zur lokalen Kälteanwendung
systemische nerval-reflektorische Reaktionen, die auf der Grundlage gesicherter
neuro-, thermo-, muskel- und kreislaufphysiologischer Erkennt-nisse erklärbar
sind.
Diskutiert
werden :
- Desensibilisierung/Deaktivierung von Nozizeptoren
- Blockade im C-Faser-System durch Dominanz der Erregungsleitung in den
Ad-Fasern
- Zentral gesteuerte Interaktionen zwischen Thermorezeption, Nozizeption
und entzün-dungsprotektiven neuronalen und neuro-endokrinen Prozessen
- Stimulierung der a- und Dämpfung der ?-Motoneuronen-Aktivität
auf der Grundlage deren generellen reziproken Reaktionsmusters auf Kältereize
- Temporäre Durchblutungssteigerung in der Muskulatur und Verbesserung
ihres Stoff-wechsels
- Ökonomisierungseffekte im Herz-Kreislaufsystem und im Energiehaushalt
bei sport-lichen Ausdauerleistungen
- Regulative Beeinflussung des zentralen Aktivitätsniveaus in Abhängigkeit
von einer sympathikotonen oder parasympathikotonen Ausgangslage (wahrscheinlich
über die Einspeisung von Erregungen aus Kältereizen in spinale
vegetative Reflexbögen und in die Formatio reticularis) bei Verbesserung
kortikaler Funktionen, wie des Assozia-tions- und Koordinationvermögens.
Wirkungskomponenten :
1. Schmerzlinderung/Schmerzaufhebung
2. Entzündungshemmung
3. Wirkung auf die Skelettmuskulatur (Tonusregulierung, temporäre
Durchblutungs-steigerung, Verbesserung des Stoffwechsels und Modifizierung
der neuronalen Aktivierung)
4. Verbesserung von Gelenkfunktionen
5. Regulation des zentralen Aktivitätsniveaus, psychophysische Leistungsstimulierung
und Förderung des Wohlbefindens
6. Ökonomisierung im Herz-Kreislaufsystem und im Energiehaushalt.
7. Optimierung der Thermoregulation
Indikationen :
1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen der Gelenke und der Wirbelsäule
2. Degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
3. Weichteilrheumatische Erkrankungen
4. Chronische Schmerzzustände
5. Gestörte Regulation des Muskeltonus
bei Infantiler Zerebralparese, Multipler Sklerose und Muskelverspannungen
6. Schuppenflechte ohne und mit Gelenkbeteiligung
7. Neurodermitis
8. Kontusionen, Distorsionen, Zustände nach operativen Eingriffen
an Gelenken und an
der Wirbelsäule, Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates
9. Leistungsoptimierung im Sport und in der medizinischen Rehabilitation
Positive Behandlungsergebnisse wurden beobachtet
bei :
- nichtorganischen und schmerzbedingten chronischen Schlafstörungen
- primärer hypotoner Kreislaufregulationsstörung
- sympathikotonen und parasympathikotonen Reaktionslagen
- allgemeiner psychophysischer Leistungsminderung
- Asthma bronchiale
- Störungen der Bewegungskoordination (bei gestörter Propriozeption)
- Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Restless-legs-Syndrom und periodischen Beinbewegungen im Schlaf.
Die GKKT ist in der Regel in ein therapeutisches Gesamtkonzept einzuordnen.
Bei gegebe-ner Indikation sollte sie mit aktiven/aktivierenden somatisch
orientierten Behandlungsele-menten (Bewegungstherapie) verbunden und/oder
verhaltenstherapeutisch unterstützt wer-den. Bei Ergänzung der
GKKT durch lokale Kälteanwendungen ist die Kurzzeit-Kaltluft-therapie
anzuraten. Bei Anwendung der GKKT mit therapeutischem Ziel sollten unmittelbar
vor und nach der Exposition keine stark belastenden körperlichen
Aktivitäten stattfinden. Während der seriellen Kälteanwendung
ist die therapeutische Wärmeapplikation zu vermei-den.
Besonders bei chronischen Schmerzen und chronischen Gelenkerkrankungen
kann mit Hilfe der GKKT eine Reduzierung des Medikamenteneinsatzes erreicht
werden.
Absolute Gegenindikationen :
1. Unbehandelter Bluthochdruck
2. Herzinfarkt, der weniger als ein halbes Jahr zurückliegt
3. Dekompensierte Erkrankungen des Herz-Kreislauf- und Atmungssystems
4. Instabile Angina pectoris
5. Herzschrittmacher
6. Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Fontaine-Stadien III und
IV)
7. Abgelaufene Venenthrombosen
8. Akute febrile Erkrankungen der Atemwege
9. Akute Nieren- und Harnwegserkrankungen
10. Schwere Anämie
11. Kälteallergische Erscheinungen
12. Schwere konsumierende Erkrankungen
13. Anfallsleiden
14. Größerflächige bakterielle und virale Hautinfektionen,
Wundheilungsstörungen
15. Alkohol- und Drogeneinfluss
Relative
Gegenindikationen :
1. Herzrhythmusstörungen
2. Herzklappenfehler
3. Zustand nach Herzoperationen
4. Ischämische Herzkrankheit
5. Raynaud-Syndrom
6. Polyneuropathien
7. Schwangerschaft ab 4. Monat
8. Vaskulitiden
9. Klaustrophobie
10. Schilddrüsenunterfunktion
11. Hyperhidrosis
Altersbegrenzung
:
Die GKKT ist ab dem späten Kleinkindesalter (4. – 6. Lebensjahr)
möglich (bei Kältekam-mertemperaturen um -100°C). Dabei
sind Therapiefrequenz und Aufenthaltsdauer (maximal
6 zwei Minuten) anzupassen. Die obere Altersbegrenzung wird durch den
allgemeinen körperlichen Zustand bestimmt.
Nebenwirkungen :
Die GKKT ist sehr gut verträglich und zeichnet sich durch eine hohe
Compliance aus. Bei strikter Beachtung der Indikationen, Kontraindikationen
und Verhaltensregeln sind Neben-wirkungen äußerst selten. Auftreten
können:
- lokale Erfrierungen 1. und 2. Grades
- Kopfschmerzen bzw. Verstärkung bestehender Schmerzen
- Unphysiologischer Anstieg des arteriellen Blutdrucks
- Kälteallergische Symptome.
Behandlungsablauf :
Die Indikationsstellung und der Ausschluss von Gegenindikationen erfolgen
durch den be-handelnden Arzt. Die GKKT wird in der Regel in kleinen Gruppen
(in Abhängigkeit von der kammergröße 2 – 5 Personen)
durchgeführt. Es werden handelsübliche Badebekleidung , Akren-
und Atemschutz sowie festes Schuhwerk getragen. Haut und Kopfhaar müssen
trocken sein. Die aktuellen Blutdruckwerte vor der Kälteexposition
sollen 160/100 mm Hg nicht übersteigen. Gehbehinderte und psychiatrische
Patienten sowie Kinder müssen in der Kältekammer von umgangserfahrenen
Personen begleitet werden.
Die GKKT wird 1 – 3 mal täglich in Mindestabständen von
drei Stunden angewendet. Die Expositionsdauer beträgt in der Regel
drei, zur Leistungsoptimierung im Sport etwa vier Minuten. Die Anzahl
der Expositionen in einem nach Möglichkeit unterbrechungsfreien Behandlungszyklus
richtet sich nach Art, Schwere und Stadium der Erkrankung. In einem Behandlungszyklus
sollte die Expositionszahl von 10 nicht unterschritten werden. Bei Ganzkörperkälteanwendungen
zur Leistungsoptimierung werden die Expositionen in die individuellen
Trainings-/Regenerationsprogramme eingeordnet.
Das Original dieser Konsensus – Erklärung wird im Kurzentrum
Bad Vöslau hinterlegt.
Die Konferenzteilnehmer erhalten jeweils drei Exemplare.
Kältetherapeutische Zentren können die Konsensus – Erklärung
im Kurzentrum Bad Vöslau anfordern.
Quelle: Prof.Dr.sc.med. Winfried Papenfuss
MS Abensberg 2004           
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