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Kälte als Therapie bei
MS
Aufgeregt und abenteuerlustig fuhren wir, eine Gruppe von sieben MS-Betroffenen
an einem Sonntag zur Teilnahme an einer Kältetherapie zu einer Klinik
in Bad Bleiberg in Österreich.
Am Sonntag erfolgte dann die Begrüßung durch Herrn Professor
Dr. Pappenfuß, der diese Therapie wesentlich mitentwickelt hat.
Er erklärte uns seine Ganzkörpertherapie, die systemisch wirkt
und den ganzen Körper beeinflusst. Bekannt ist, daß mit dieser
Cryo-Therapie bei Krankheitsbildern wie Rheuma und Neurothermitis gute
Erfolge erzielt werden.
Es gibt allerdings noch keine Erfahrungen darüber, ob so eine extreme
Kälte auch bei MS hilft. Wir waren somit die erste Gruppe, die diese
Kältetherapie eine Woche lang anwenden würde. Bei Spastiken,
Schmerzen, Schwäche und depressiven Verstimmungen helfen Kälteanwendungen
erwiesenermaßen. Unsere Gruppe von Teilnehmern hatte unterschiedliche
Grade der Gehbehinderung. Auch ein Rollstuhlfahrer war dabei. Die Metallteile
seines Rollstuhls mussten für die Kältekammer speziell präpariert
werden.
Die Behandlungen finden in einem Kammersystem mit drei Kammern statt.
Die ersten beiden Kammern mit minus 10° und minus 60° haben eine
Schleusenfunktion. In der letzten Kammer herrscht eine Temperatur von
minus 110° Celsius und ist die eigentliche Therapiekammer. Eine Behandlung
dauert 2 bis drei Minuten. Wichtig ist dabei die Kombination mit Bewegung.
Angeboten wurde nach dem Aufenthalt in der Kältekammer sowohl Gruppen-
als auch Einzel-Krankengymnastik. Dazu noch Bewegungen die sich jeder
ganz persönlich zusammen stellen konnte, z.B. Fahrradfahren auf dem
Ergometer, Laufen usw.
Die ideale Anzahl der Expositionen beträgt 20 bis 30, Nebenwirkungen
sind nicht bekannt.
Wichtig ist, daß sich Kälte und Wärme, z.B. Sauna während
der Behandlungszeit ausschließen, da sich die Wirkung aufhebt.
Deutlich spürbar war für mich ein Rückgang der Spastik
und ein positives Lebensgefühl und eine Leichtigkeit beim Gehen und
Stehen, sowie eine Verbesserung des Gleichgewichts. Weiter wäre es
möglich, in der Zeit danach neue oder bekannte Bewegungsmuster zu
üben und damit positive, neue Erfahrungen zu sammeln.
Nach meiner Erfahrung halten die Verbesserungen nur relativ kurze Zeit
an, von einer halben bis zu zwei Stunden. Doch besteht hier trotzdem die
Chance, daß die Beweglichkeit zunimmt. Diese Zeitspanne der Wirkung
könnte sich vielleicht durch Wiederholungen verlängern und so
das Körperbild und Bewegungsmuster verbessern.
Zu unserem allgemeinen Wohlbefinden hat auch das harmonische Umfeld der
Klinik und die gute Versorgung in allen Bereichen beigetragen. Auch innerhalb
unserer Gruppe unterstützten wir uns gegenseitig und bauten uns auf.
Als persönliches Fazit kann ich sagen, meine Spastik löste sich
etwas, ich konnte besser laufen und erlangte dadurch mehr Sicherheit.
Die Zukunft wird zeigen, ob diese Therapie bei MS eine breitere Anwendung
finden wird. Grundsätzlich hat uns allen in der Gruppe diese Woche
sehr gut getan, obwohl wir alle wussten, daß diese Therapie nur
eine kurzzeitige Besserung bringen kann.
Ingrid Göß
MS Abensberg 2004           
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